Presseinfo 17. November 2016 - App, Sportmedien

App zur Gehirnerschütterungs-Testung! Warum Sportler nach Unfällen zum Smartphone greifen sollten

Initiative „Schütz Deinen Kopf!“ der ZNS - Hannelore Kohl Stiftung rät zu inter-aktiven Testungen


Bonn/Wolfsburg, 17.11.2016: Der Mannschaftsarzt der Eishockeymannschaft Grizzlys Wolfsburg lobt sie, der Verbandsarzt des Bayerischen Fußball-Verbands (BFV) findet sie sinnvoll - und alle Sportfans können sie ab Mitte Dezember in den App-Stores kostenlos downloaden: Die neue App fürs Smartphone, die Hinweise darauf gibt, ob ein Sturz oder Zusammenprall zur Gehirnerschütterung geführt haben kann. „GET - Gehirn Erschüttert? TestApp!“ heißt das interaktive Tool, das die Initiative „Schütz Deinen Kopf!“ der ZNS - Hannelore Kohl Stiftung veröffentlicht hat.
Die Testphase der App wurde gestern gestartet. Die ZNS - Hannelore Kohl Stiftung sucht noch sportlich Aktive, die bereit sind, die App auf ihrem Smartphone oder Tablet zu testen. Interessierte finden alle Informationen unter www.schuetzdeinenkopf.de.

Helga Lüngen, Geschäftsführerin der ZNS - Hannelore Kohl Stiftung, erinnert daran, „dass in Deutschland pro Jahr mehr als 40.000 leichte Schädelhirnverletzungen im Sport diagnostiziert werden. Die Zahl der nicht erkannten Fälle dürfte aber deutlich höher sein!“ Wer die Gehirnerschütterung nicht ernstnimmt, einfach weitermacht und sich erneut verletzt, kann schwere Folgeschäden davontragen. Mit diesen Folgen wird das Beratungsteam der ZNS - Hannelore Kohl Stiftung, das seit 1983 hirnverletzte Menschen und ihre Familien unterstützt, immer wieder konfrontiert. Um präventiv tätig zu werden und um Sportler, ihre Familien, Trainer, Pädagogen und Ärzte für das Thema zu sensibilisieren, rief die Stiftung 2015 gemeinsam mit namhaften Partnern die Initiative „Schütz Deinen Kopf! Gehirnerschütterungen im Sport“ ins Leben.

Mit der App kann innerhalb von drei bis vier Minuten festgestellt werden, ob durch den Sturz oder Schlag, den der Sportler erlitt, ein Verdacht auf Gehirnerschütterung vorliegt. Neben kompakten Informationen zur Gehirnerschütterung selbst können die Nutzer einen Test machen, der schnell und einfach durchzuführen ist und auf der Basis wissenschaftlicher Studien und Erkenntnisse entwickelt wurde. Neben Checklisten zur Überprüfung von typischen Symptomen enthält die App auch Tests zur Reaktionsgeschwindigkeit und Augenfunktion. Die Tests sind für ein Zweierteam gedacht - etwa Spieler und Trainer oder Spieler und Mannschaftsarzt - und können direkt nach dem Zusammenprall oder Sturz zum Einsatz kommen. Wenn die App ein alarmierendes Ergebnis zeigt, sollte der Sportler Training oder Spiel unterbrechen und einen Arzt aufsuchen. Dort gibt es dann die Diagnose.

Diese Tests findet Dr. Axel Gänsslen vom Klinikum Wolfsburg, einer der medizinischen Berater bei der Entwicklung der App, besonders wichtig. Das bloße Abfragen von Symptomen wie Schwindel, Übelkeit oder Kopfschmerz ist fehleranfällig - viele Aktive wollen das Spiel nicht verlassen, machen falsche Angaben. „Gerade in wichtigen Turnieren denken sie: Ich möchte mein Team nicht schwächen“, weiß Gänsslen. Dabei schwächt gerade derjenige sein Team, der bleibt. Wer trotz Gehirnerschütterung weiterspielt, reagiert verlangsamt, neigt zu Fehlentscheidungen und dazu, erneut zu stürzen und mit anderen zusammenzuprallen.

Auch Privatdozent Dr. Werner Krutsch, der Verbandsarzt des Bayerischen Fußball-Verbandes, betont: „Die Entwicklung und Einführung eines solchen modernen und praktischen Tools zur Testung ist sinnvoll.“ Er ergänzt: „Wenn wir uns das Beispiel der 3-Minuten-Regel im Profifußball anschauen, die wir Mediziner während der Spieles vom Schiedsrichter Zeit bekommen, um eine Untersuchung durchzuführen, sind standardisierte und praktische Maßnahmen wie eine App entscheidend.“

„Diese 3-Minuten-Regel wird im Fußball noch zu selten angewendet“, kritisiert Norbert Moser, der bei der VBG, der gesetzlichen Unfallversicherung für den bezahlten Sport, die Prävention im Sport verantwortet. Die VBG hat die Entwicklung der App unterstützt und hofft, damit zum Bewusstseinswandel aller beizutragen, die Gehirnerschütterungen noch immer für harmlos halten. Auch die Deutsche Telekom AG förderte das Projekt im Rahmen ihres gesellschaftlichen-Engagements. „Mit ihren Lösungen und Anwendungen ist die Telekom einer der Gestalter der digitalen Welt. Daher unterstützen wir innovative, digitale Angebote, die Menschen einen direkten Mehrwert bieten und konkrete Hilfe leisten“, so Martina Schwebe-Eckstein, Projektleiterin Corporate Responsibility der Deutschen Telekom AG zum Hintergrund. „Deshalb haben wir uns an der Entwicklung der App finanziell beteiligt. Zudem engagiert sich die Telekom in der Sportförderung. Sowohl für den Spitzen- als auch für den Breitensport ist die App eine gute Unterstützung, um bei Sportunfällen sicher und schnell reagieren zu können."
Alle ab dem Alter von etwa 12 Jahren können die App bedienen. „Jeder medizinische Laie, aber auch der Vereinsarzt ohne vertiefte neurologische Kenntnisse und Erfahrungen kann mit Hilfe der App den Spieler testen und anhand objektiver Daten entscheiden, ob ein Verdacht auf eine Gehirnerschütterung vorliegen könnte“, berichtet Moser. „Die Diagnose stellt dann anschließend ein fachlich geeigneter Arzt.“
Dagmar Freitag, Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag, kommentiert: „Gehirnerschütterungen im Sport dürfen keineswegs als Lappalie abgetan, sondern müssen ernstgenommen werden. Dazu ist es zunächst unabdingbar, dass die Symptome erkannt und richtig gedeutet werden. Die Initiative „Schütz Deinen Kopf! Gehirnerschütterungen im Sport“ der ZNS - Hannelore Kohl Stiftung mit ihren vielfältigen Informationsmitteln und -kanälen wird hoffentlich zur Aufklärung über die häufig noch unterschätzte Gefahr von Gehirnerschütterungen beitragen und das Bewusstsein schärfen, dem Gehirn nach einem Trauma die notwendige Ruhe zu geben."


Über die Initiative „Schütz Deinen Kopf! Gehirnerschütterungen im Sport“
Bei der Initiative „Schütz Deinen Kopf! Gehirnerschütterungen im Sport“ arbeitet die ZNS - Hannelore Kohl Stiftung mit namhaften Organisationen, Medizinern und Sportverbänden zusammen, um Sportler und ihre Familien, Trainer, Pädagogen und Ärzte für das Thema „Gehirnerschütterung und mögliche Folgen“ zu sensibilisieren. Schirmherr ist der Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière.

Informationen, den Link zur App und zu den Filmen sowie Kontaktadressen von Unfallkliniken und Neuropsychologen finden sich auf www.schuetzdeinenkopf.de.

Über die ZNS - Hannelore Kohl Stiftung
Die ZNS - Hannelore Kohl Stiftung für Verletzte mit Schäden des Zentralen Nervensystems mit Sitz in Bonn wurde 1983 von Frau Dr. med. h.c. Hannelore Kohl ins Leben gerufen. Die Stiftung unterhält einen Beratungs- und Informationsdienst für Schädelhirnverletzte und deren Angehörige, unterstützt bei der Suche nach geeigneten Rehabilitationseinrichtungen und fördert die wissenschaftliche Forschung auf dem Gebiet der Neurologischen Rehabilitation. Sie engagiert sich in der Präventionsarbeit für Unfallverhütung. Bis heute konnten rund 30 Mio. Euro aus Spendenmitteln für über 675 Projekte an Kliniken, Institutionen und Rehabilitationseinrichtungen in Deutschland weitergegeben werden. Jedes Jahr erleiden rund 270.000 Menschen ein Schädelhirntrauma, knapp die Hälfte von ihnen ist jünger als 25 Jahre. Dank der medizinischen Fortschritte kann vielen von ihnen geholfen werden.

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Medienkontakt:
Helga Lüngen
ZNS - Hannelore Kohl Stiftung
Rochusstraße 24, 53123 Bonn
Tel.: 0228 97845-0
E-Mail: presse@hannelore-kohl-stiftung.de

Abdruck (auch auszugsweise) honorarfrei, Beleg erbeten an:
Initiative „Schütz Deinen Kopf!“
c/o ZNS - Hannelore Kohl Stiftung
Rochusstraße 24
53123 Bonn
info@schuetzdeinenkopf.de


rbb Praxis, 28.03.18: Gehirnerschütterung im Sport
Im Oktober 2016 fand in Berlin die 5. Internationale Konsensuskonferenz zur Gehirnerschütterung im Sport statt.


Dr. Thomas de Maizière, MdB
Bundesminister des Innern a.D.


Nach dem Sportunfall
ist vor der Heilung



Expertise zum „Umgang mit Schädelhirnverletzungen im deutschen Spitzensport“

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