Presseinfo 18.10.2017 - Profisport unterstützt Präventionskampagne

„Schütz Deinen Kopf!“: Profi-Sport unterstützt Präventionskampagne
Jährlich rund 40.000 Gehirnerschütterungen im Sport. Niedersächsischer Eissport-Verband will verstärkt aufklären.


Bonn / Hannover, 18.10.2017. „Mitten im Spielgeschehen denkt man an den Sieg, das Team und will sofort zurück auf das Eis“, weiß Andreas Morczinietz, Stürmer bei den EC Hannover Indians, aus eigener Erfahrung: „Umso wichtiger ist es, dass Mannschaftsärzte und Trainer die Situation richtig einschätzen und im Sinne der Gesundheit des Spielers handeln.“ Die Beschreibung des Eishockeyprofis wirkt wie eine Szene aus dem Informationsfilm der Initiative „Schütz Deinen Kopf!“: Mit dem Kopf prallt ein Eishockeyspieler gegen die Bande. Er schüttelt sich, rappelt sich mühsam hoch, wirkt benommen - und dennoch zeigt er dem Mannschaftsarzt den erhobenen Daumen. Der Film greift damit den Appell an die Verantwortlichen am Spielfeldrand auf. Übernehmt Verantwortung für Eure Sportler!

Dr. Axel Gänsslen, Unfallchirurg am Klinikum Wolfsburg und Mannschaftsarzt der Grizzlys Wolfsburg, warnt: “Durch eine Bagatellisierung oder falsche Behandlung von Gehirnerschütterungen können erhebliche Spätschäden auftreten. Jede Gehirnerschütterung hat eine begrenzte Hirnfunktionsstörung mit neurologischen Auffälligkeiten zur Folge. Bei angemessener Schonung, kann die Verletzung für den Betroffenen in den meisten Fällen folgenlos ausheilen. Erhält das Gehirn diese „Auszeit“ jedoch nicht, sind ernsthafte Schäden möglich.“ Gänsslen verweist dabei auf eine aktuelle Studie der internationalen Fußballer-Gewerkschaft, nach der schon vier bis fünf Kopfverletzungen das Risiko um 50 Prozent erhöhen, an Depressionen, Schlafstörungen oder Angststörungen zu erkranken.

„Als Eissportverband nehmen wir das Thema sehr ernst. Gerade im Eishockey sind Nachwuchs-, Amateur und Profispieler betroffen. Wir wollen einen Beitrag dazu leisten, alle am Sport Beteiligten, unsere Fans und die Öffentlichkeit präventiv aufzuklären“, sagt Jochen Schierbaum, Präsident des Niedersächsischen Eissport Verbandes (NEV). Deshalb hat der Verband ein Plakat finanziert, das künftig in niedersächsischen Eissporthallen über das Thema informiert und auf das kostenfreie Informationsangebot von „Schütz Deinen Kopf“ hinweist. Ergänzend wird allen Hallenbetreibern ein von der Initiative produzierter Videoclip zur Verfügung gestellt.

Die Hannover Indians gehören zu den Vereinen, die die Präventionskampagne unterstützen. Für Geschäftsführer und Sportdirektor David Sulkovsky eine Ehrensache: „Aus meiner Zeit als aktiver Spieler weiß ich, wie schnell es im Eishockey zu Gehirnerschütterungen kommen kann. Und heute weiß ich, wie wichtig die richtige Behandlung ist. Deshalb setze ich mich als Geschäftsführer aktiv für gesundheitliche Präventions- und Aufklärungsarbeit ein.“

Die Indians und der NEV übernehmen mit ihrem Engagement innerhalb der Deutschen Eishockey Liga (DEL) eine Vorreiterrolle. Tino Boos, Vorsitzender des Disziplinarausschusses der DEL und damit der Verantwortliche für die Spielersicherheit in Deutschland: „Als Gründungsmitglied von „Schütz Deinen Kopf“ freuen wir uns sehr, dass der Niedersächsische Eissport-Verband unser Engagement mit eigenen, kreativen Maßnahmen verstärkt und seine Popularität einsetzt, um für das Thema bei Vereinen und Fans zu werben.“

Aufklärung tut aber nicht nur beim Eishockey Not, denn die beschriebenen Risiken gelten für alle Sportler, egal ob im Profi-, Breiten- oder Schulsport. Das sieht auch der Hannoveraner Bezirksbürgermeister Henning Hofmann so: „Sport ist gesund und soll allen Beteiligten Spaß machen! Mir ist es wichtig, das Präventionsangebot von „Schütz Deinen Kopf“ in meinem Bezirk bekannt zu machen, damit Schulen und Vereine, Sportler, Eltern und Ärzte sich bei Bedarf informieren können.“

Helga Lüngen, Geschäftsführerin der ZNS - Hannelore Kohl Stiftung ist begeistert über die nachhaltige Unterstützung aus Hannover und ganz Niedersachen. „Wir sind heute einen entscheidenden Schritt vorangekommen. „Schütz Deinen Kopf“ lebt davon, dass unsere Impulse aufgenommen und von den Vereinen vor Ort mit Leben gefüllt werden. Davon, dass der Profisport seine Vorbildfunktion und seinen Bekanntheitsgrad nutzt, die für die Gesundheit wichtige Prävention zu unterstützen. Wichtig ist uns, dass das Weiterspielen nach einer Gehirnerschütterung weder im Spitzensport mit seiner Vorbildfunktion noch im Freizeit- oder Schulsport zum guten Ton gehören darf. Deshalb sind wir dankbar, dass wir heute im Eisstadion am Pferdeturm Poster und Infospot übergeben können.“




Hinweis für Redaktionen: Die von Dr. Axel Gänsslen zitierte Studie der internationalen Fußballer-Gewerkschaft finden Sie unter https://www.fifpro.org/news/concussion-linked-to-mental-health-in-former-footballers/en/.

Übrigens: Neben den Plakaten hat die Initiative „Schütz Deinen Kopf!“ Erklärfilme und eine App zum Thema „Gehirnerschütterungen erkennen, verstehen und ihre Heilung fördern“ veröffentlicht. Die beliebten Flyer für Sportler, Eltern, Lehrer und Ärzte sind ebenfalls kostenlos erhältlich. Alle Medien können über die Homepage www.schuetzdeinenkopf.de eingesehen und bestellt werden.

Hintergrund: Initiative „Schütz Deinen Kopf! Gehirnerschütterungen im Sport
Bei der Initiative „Schütz Deinen Kopf! Gehirnerschütterungen im Sport“ arbeitet die ZNS - Hannelore Kohl Stiftung mit namhaften Organisationen, Medizinern und Sportverbänden zusammen. Ziel ist es, Sportler und ihre Familien, Trainer, Pädagogen und Ärzte für das Thema „Gehirnerschütterungen und mögliche Folgen zu sensibilisieren.

Bestellmöglichkeit, Informationen, den Link zu den App-Stores und den Informationsfilmen, sowie Kontaktadressen von Unfallkliniken und Neuropsychologen finden Interessierte auf www.schuetzdeinenkopf.de.

Hintergrund: ZNS - Hannelore Kohl Stiftung
Die ZNS - Hannelore Kohl Stiftung für Verletzte mit Schäden des Zentralen Nervensystems mit Sitz in Bonn wurde 1983 von Frau Dr. med. h.c. Hannelore Kohl ins Leben gerufen. Die Stiftung unterhält einen Beratungs- und Informationsdienst für schädelhirnverletzte Menschen und deren Angehörige, unterstützt bei der Suche nach geeigneten Rehabilitationseinrichtungen und fördert die wissenschaftliche Forschung auf dem Gebiet der Neurologischen Rehabilitation. Sie engagiert sich in der Präventionsarbeit für Unfallverhütung. Bis heute konnten 31 Mio. Euro aus Spendenmitteln für über 675 Projekte an Kliniken, Institutionen und Rehabilitationseinrichtungen in Deutschland weitergegeben werden.
Jedes Jahr erleiden rund 270.000 Menschen Schädelhirntraumen, knapp die Hälfte von ihnen ist jünger als 25 Jahre. Dank der medizinischen Fortschritte kann vielen von ihnen geholfen werden.

Spendenkonto Sparkasse KölnBonn
IBAN: DE31 3705 0198 0030 0038 00
SWIFT-BIC: COLSDE33

Kontakt für Rückfragen:
ZNS - Hannelore Kohl Stiftung
Nicola Jung
Rochusstraße 24, 53123 Bonn
Telefon: 0228 97845-40
Telefax: 0228 97845-55
E-Mail: n.jung@hannelore-kohl-stiftung.de
www.hannelore-kohl-stiftung.de

Abdruck (auch auszugsweise) honorarfrei, Beleg erbeten.



rbb Praxis, 28.03.18: Gehirnerschütterung im Sport
Im Oktober 2016 fand in Berlin die 5. Internationale Konsensuskonferenz zur Gehirnerschütterung im Sport statt.


Dr. Thomas de Maizière, MdB
Bundesminister des Innern a.D.


Nach dem Sportunfall
ist vor der Heilung



Expertise zum „Umgang mit Schädelhirnverletzungen im deutschen Spitzensport“

© 2018 ZNS - Hannelore Kohl Stiftung | Datenschutz | Impressum | info@hannelore-kohl-stiftung.de